Weihnachtsessen – festlich, gemütlich trotz Intoleranzen

Ist es schon wieder soweit? Ja, es weihnachtet!

Woran ich merke, dass die Weihnachtszeit wieder voll im Gange ist und alle sich Gedanken um das große Fest machen? Nein, es sind nicht die Schoko-Weihnachtsmänner im Supermarkt, die dort schon seit September stehen. Es sind nicht die Weihnachtsmärkte oder die geschmückten Schaufenster in den Einkaufsstraßen. Und nein, es ist auch nicht die Musikauswahl der gängigen Radiosender. Das alles bekomme ich natürlich auch mit! Aber was mich wirklich daran erinnert, dass sich gerade alle wieder einen Kopf um die kulinarischen Genüsse an diesem einen Abend bzw. diesen 3 Tagen machen, ist diese eine WhatsApp. Sie geistert schon seit Jahren durch die virtuellen Netze und ich bekomme sie garantiert jedes Jahr aufs Neue von allen Seiten zugeschickt – mag ja vielleicht auch an meinem Job liegen 😉

Mama hat die Gruppe Weihnachtsessen gegründet. „Was wollt ihr essen?“ ist die Frage an die Kinder:

  • „Egal, Hauptsache vegan!“
  • „Bitte nix mit Laktose!“
  • „Ich esse nur Low-Carb!“
  • „Alles, aber bitte ohne Gluten und Weizen!“

… Mama hat die Gruppe verlassen!

Ja, manch einer von euch mag sie auch kennen. Ich fand sie bislang auch wirklich nett und musste lächeln. Doch dieser kleine Scherz macht auch ein großes Problem deutlich: Es gibt sie eben, die verschiedenen Ernährungsweisen. Und es gibt auch die diversen Unverträglichkeiten. Und zwar nicht nur, weil sie gerade in sind.

Das Weihnachtsessen kann für alle Seiten Stress bedeuten

Die Betroffenen graulen sich schon Wochen im Voraus vor dem opulenten Weihnachtsmal und wissen nicht, wie sie diesen Abend und die folgenden Tage überstehen sollen, ohne der lieben Verwandtschaft zur Last zu fallen. Außerdem fürchten sie sich schon vor den alljährlich nervenden Kommentaren einiger Familienmitglieder: „Wenn du was Anständiges essen würdest, würdest du auch nicht immer solche Probleme haben!“ oder „Früher war man froh, wenn man überhaupt etwas zum Essen hatte!“ sind die Klassiker. Ist fast so „lustig“ wie die Diskussion mit Vegetariern darüber, warum da jetzt Speck in der Soße ist: „Wie, das ist nicht vegetarisch? Da gehört aber Speck rein, sonst schmeckt das doch nicht?! Ist doch auch nur gaaaanz wenig!“

Aber auch die andere Seite hat es nicht leichter: Der Gastgeber möchte es möglichst allen recht machen und versucht sich an einem Menü, dass alle Unverträglichkeiten berücksichtigt. Blöd nur, wenn man nicht so in der Materie steckt und schlichtweg nicht weiß, dass man bei Fruktose-Intoleranz nicht einfach nur das Obst weglassen kann. Dann gibt es eben Eis, da ist ja kein Obst drin. Notfalls auch laktosefrei. Hilft halt auch nicht, wenn man bedenkt, wie viel Fruchtzucker sich meist in solchen Fertigprodukten befindet.

Die Planung

Auch bei unserer Weihnachts-Essensplanung könnte es ähnlich ablaufen wie in oben erwähnter WhatsApp: gutbürgerliche Küche trifft auf Vegetarier, Kleinkinder und mich! Ohne Fleisch mag ja noch gehen, notfalls essen die Vegetarier eben keinen Braten. Die Kinder kommen mit Kartoffeln oder Klößen sicher klar und auch der Rotkohl, wenn es süß genug mit viel Apfelmus ist, mag ja dem ein oder anderen Kind noch schmecken. Zum Glück ist denen egal, woraus die Soße ist, Hauptsache sie schmeckt und lässt sich gut mit den Kartoffeln vermischen. Und Eis zum Nachtisch geht für alle. Ja und wie war das jetzt noch mit dem fruktose- und laktosefrei????

Unsere Lösung – Raclette, da ist für jeden was dabei

Seit Jahren haben wir uns auf Raclette geeinigt. Das ist ein wahrer Alleskönner, denn die Möglichkeiten sind unbegrenzt und jeder kann sich selbst zusammen stellen, was er mag oder was er verträgt. Da kann man einfach nur Bratkartoffeln ohne diesen „ekligen“ Käse in die Pfännchen der Kinder machen. Die Vegetarier nehmen klein geschnittenes Gemüse mit rein. Rührei ist auch eine Variante. Oben drauf kann man sich auch Fleisch und Garnelen anbraten. Und dann gibt es halt Butterkäse statt dem histaminreichen Raclette-Käse und Zucchini statt Tomaten. Gern kann man dazu frischen Salat machen, um auch mal etwas Leichteres zwischendurch zu essen. Und auch für Dips gibt es leckere laktosefreie und fructosearme Rezepte ganz ohne Zuckerzusatz. Selbstgemacht ist hier das Zauberwort!

Beim Nachtisch gibt es auch verschiedene Möglichkeiten, dazu mehr in einem anderen Beitrag. Und wer zur Zeit versucht, sich nach dem Prinzip FODMAP zu ernähren: FODMAPfrei gibt es nicht! Man kann sich aber seine Nahrungsmittel FODMAParm aussuchen. Und dabei ist vor allem auch immer die Menge zu berücksichtigen, denn oftmals werden kleine Mengen noch gut vertragen. Also lieber auf die Zwiebeln in den Pfännchen verzichten und nur eine kleine Portion Brokkoli dieses Mal.

Wir wünschen allen eine stressfreie Vorweihnachtszeit und unbeschwerte Zeit mit Freunden und Familie beim Weihnachtsessen!

Herzlichst, Janina Bolling