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Das FODMAP-Konzept

Erwiesene Hilfe durch Ernährungsumstellung

Bei konkreten Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung empfehlen wir die so genannte FODMAP-Diät. Dieses Konzept ist erst vor wenigen Jahren von australischen Forschern zur Behandlung von Reizdarm-Patienten entwickelt worden, wo es Erfolgsraten von 75 Prozent zeigt – mehr als jede andere Ernährungstherapie.

Fructose- und Lactoseintoleranz

Fructose oder Fruchtzucker, das klingt nach Früchten und damit als natürlich und gesund – was aber ein Trugschluss sein kann. Kommt es nach dem Konsum von Fructose zu Beschwerden wie Blähungen oder Durchfall, liegt eine Fructoseintoleranz vor.

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Lactose ist ein natürlich in Milch und Milchprodukten vorkommender Zucker. Wenn der Konsum von Lactose zu Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Übelkeit führt, spricht man von einer Lactoseintoleranz.

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TYPISCHE VERDAUUNGSBESCHWERDEN

Die typischsten Verdauungsbeschwerden sind Blähungen, Durchfall und Verstopfung.
Wie es dazu kommt und was Sie dagegen tun können, erfahren Sie hier.

BLÄHUNGEN

Blähungen sind das Resultat einer übermäßigen Gasbildung im Darm. Diese Gase, wie zum Beispiel Wasserstoff oder Methan, werden von den dort anwesenden Mikroorganismen produziert. Zu den unschönen Folgen zählen Beschwerden wie ein aufgeblähter Bauch, Aufstoßen, Völlegefühl, Gurgelgeräusche und oft auch Blähungsschmerzen. Ein großer Teil der Gase wird über die Darmschleimhaut aufgenommen, der Rest geht mehr oder weniger lautstark und geruchsintensiv als Flatulenzen ab.

So viele lustige Bemerkungen man auch über diese Symptome machen kann: Ständige Blähungen sind ein Hinweis auf eine aus mehreren möglichen Gründen aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora, auch Dysbiose genannt. Aber erst wenn dieser Dysbiose auch ein entsprechendes Nahrungsangebot präsentiert wird, kommt es zu der übermäßigen Gasentwicklung. Am liebsten mögen diese Bakterien leicht fermentierbare Zucker – die so genannten FODMAP.

Hilfe mit der FODMAP-Ernährung

Bei anhaltenden unangenehmen Blähungen empfehlen wir daher, die Ernährung so umzustellen, dass sie nur wenig von den fermentierbaren kurzkettigen Zuckern enthält, die unter der Bezeichung FODMAP zusammengefasst werden. Genaueres über FODMAP finden Sie weiter unten.

Viele FODMAP-haltige Lebensmittel gelten schon seit langem als blähend, zum Beispiel Hülsenfrüchte und Kohlgemüse, da sie die so genannten Galacto-Oligosaccharide (GOS) enthalten. GOS in Reinform wird als präbiotischer Ballaststoff einigen Nahrungsmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt, also achten Sie am besten genau auf die Zusammensetzung dieser Präparate. Das Gleiche gilt für Produkte mit Zuckeralkoholen (Polyolen) wie Sorbit und Xylit („Birkenzucker“), die häufig als Zuckeraustauschstoffe verwendet werden.

Im Fall akuter Blähungen zeigen Tees und Präparate aus den Samen der traditionellen Gewürz- und Heilpflanzen Fenchel, Anis und Kümmel gute Wirkung. Was die Ursachenbehandlung angeht, weisen Studien inzwischen auf einen positiven Effekt von Probiotika auf Blähungen hin – spezifisch die Milchsäurebakterien der Spezies Lactobazillen und Bifidobakterien.

DURCHFALL

Unter Durchfall oder medizinisch Diarrhö versteht man mehr als drei auffallend weiche Stuhlgänge am Tag oder einen insgesamt zu breiigen oder sogar flüssigen Stuhl. Durchfall ist die Folge davon, dass zu viel Wasser in den Darm gezogen oder vom Körper in diesen abgegeben wird. Häufig wird ein Durchfall von Bauchschmerzen begleitet, die sich aber nach dem Stuhlgang meistens deutlich bessern. Wenn diese Probleme drei Wochen oder länger anhalten, spricht man von einer chronischen Diarrhö.

Betroffene wissen genau, welche Einschränkungen des täglichen Lebens es mit sich bringt, immer und überall mit einer Durchfallattacke rechnen zu müssen. Ganz zu schweigen von den langfristigen gesundheitlichen Risiken, wie zum Beispiel Nährstoffmängeln und deren Folgen, da die aufgenommene Nahrung oft nicht ausreichend verdaut wird.

Davon abgesehen ist chronischer Durchfall ein deutliches Zeichen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die möglichen Ursachen sind allerdings vielfältig. Sie reichen von Nahrungsmittelunverträglichkeiten über Malabsorptionen bis hin zu chronischen Entzündungen nach einer Infektion mit pathogenen Keime. Eine Auflistung möglicher Diagnosen, die ärztlich abgeklärt werden sollten, finden Sie im Abschnitt über das Reizdarmsyndrom.

Hilfe mit der FODMAP-Ernährung

Neben der ärztlichen Behandlung der Ursache kann auch eine Ernährungsumstellung auf FODMAP-arme Ernährung helfen, also ohne kurzkettige fermentierbare Zucker wie Fructose oder Lactose. Mehr Informationen über FODMAP finden Sie hier. Gerade Fructose und Fructane (enthalten zum Beispiel in Getreide, Zwiebeln oder Knoblauch) stehen in Verdacht bei Betroffenen Durchfall zu verursachen. Das Gleiche gilt für FOS – Fructo-Oligosaccharide, die häufig als Präbiotikum oder Ballaststoff eingesetzt werden. Wenn Sie Ballaststoffe zu sich nehmen möchten, greifen Sie besser auf nicht wasserlösliche Alternativen wie Chiasamen oder Flohsamenschalen zurück. Am besten beginnen Sie mit kleinen Mengen, um die Verträglichkeit zu testen.

Als traditionelle, natürliche Mittel gegen Durchfall haben sich medizinische Kohle, Heilerde (zum Beispiel von Luvos), oder das pflanzliche Präparat Myrrhinil-Intest von Repha bewährt. In Untersuchungen haben außerdem Probiotika, genauer Lactobacillus acidophilus oder Lactobacillus GG, Erfolge gezeigt.

VERSTOPFUNG

Chronische Verstopfung oder medizinisch Obstipation ist ein Volksleiden, das Schätzungen zufolge zehn Prozent der deutschen Bevölkerung betrifft. Unter Verstopfung leidet man dann, wenn man seltener als drei Mal in einer Woche Stuhlgang hat, der Stuhl auffallend hart ist oder aus kleinen Klumpen besteht, man sehr stark pressen muss, oder am Ende das Gefühl der vollständigen Entleerung fehlt. Häufig tritt eine Verstopfung kurzzeitig auf, zum Beispiel auf Reisen oder in Stressphasen. Hier hilft es meistens, wieder zu einem geregelten Tagesablauf zurückzukehren, und das Problem löst sich dann buchstäblich von selbst.

Zu einem gesundheitlichen Problem wird Verstopfung dann, wenn sie sehr überraschend eintritt oder chronisch wird, also länger als drei Monate anhält. In diesen Fällen sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um Krankheiten auszuschließen. Eine Behandlung der Verstopfung ist deshalb wichtig, da sie zu weiteren Beschwerden führen kann, zum Beispiel Blähungen, da der Nahrungsbrei zu lange im Darm verweilt und dadurch von Darmbakterien fermentiert werden kann. Auf diese Weise kann sogar eine so genannte Dünndarmfehlbesiedlung entstehen. Verschiedene Formen der Verstopfung sind eine zu lange Transitzeit durch Störungen der Peristaltik, eine Entleerungsstörung oder eine Mischform aus beidem. Gerade bei sehr hartnäckigen Verstopfungen liegt oft eine Störung der Nerven und Muskeln im Darm vor, die für den Weitertransport des Inhalts zuständig sind. Meistens ist das Ende des Dickdarms betroffen.

FODMAP-Quelle Ballaststoffe

Üblicherweise wird Betroffenen zu Ballaststoffen und so genannten Präbiotika wie Inulin geraten. Auch Zucker wie Lactulose und Sorbitol – auch in Trockenpflaumen enthalten – werden empfohlen. Ernährungsanalysen zeigen aber, dass gerade bei Verstopfung, deren Ursache eine zu lange Transitzeit ist, die Wirkung oft nicht ausreicht. Zudem zählen die genannten Ballaststoffe und Zucker zur Gruppe der FODMAP, fermentierbare Zucker, die die Beschwerden sogar verstärken und zu Blähungen und Schmerzen führen können. Mehr Informationen über FODMAP finden Sie weiter unten.

Bei akuter Verstopfung haben Sie mehrere Optionen:

  • Wenn Sie Ballaststoffe zu sich nehmen möchten, greifen Sie besser auf reine Quellstoffe wie Chiasamen oder Flohsamenschalen zurück.
  • Salinische Abführmittel wie Glaubersalz oder Bittersalz ziehen über Osmose Wasser in den Darm. Doch Vorsicht: solche Mittel können schnell den Salz- und Mineralhaushalt des Körpers durcheinanderbringen. (Und gerade Magnesium ist wichtig für die Darmfunktion!)
  • Bei längerfristigem Gebrauch greifen Sie besser auf ein isoosmotisches Abführmittel, das so genannte Macrogol, zurück.
  • Stimulanzien wirken hydragog (die Wasserausscheidung fördernd) und antiresorptiv (die Wasserresorption hemmend) und sind in der Lage, einen trägen Darm anzuregen. Sie gibt es auch als Zäpfchen (Bisacodyl).
  • Aloe Vera und Sennesblätter sind eine pflanzliche Alternative. Als mögliche Nebenwirkung drohen allerdings Nervenüberreizungen bei zu häufigem Gebrauch.
  • Noch sehr neu sind die so genannten Prokinetika wie Prucaloprid (Resolor), die über die Nervenrezeptoren die natürliche Darmmotilität stimulieren. Prokinetika sind allerdings bisher nur in bestimmten Fällen zugelassen und müssen vom Arzt verschrieben werden.
  • Frei erhältlich sind hingegen Probiotika, die in einigen Untersuchungen Erfolge gezeigt haben – genauer die Stämme Bifidobacterium lactis, Lactobacillus plantarum, Lactobacillus casei und E. Coli (Nissle 1917).

Lesetipps:

  • Das Kapitel über Verstopfung in Darm mit Charme von Giulia Enders (Ullstein)
  • Der große Patientenratgeber Reizdarmsyndrom von Martin Storr (Zuckschwerdt)

ZUM THEMA REIZDARM

Bei anhaltenden, unklaren Verdauungsbeschwerden steht schnell die Diagnose Reizdarmsyndrom (RDS) im Raum. Das Reizdarmsyndrom ist keine klar definierte Krankheit, sondern beschreibt ein typisches, chronisches Beschwerdemuster, das Bauchschmerzen und Blähungen sowie Durchfall, Verstopfung oder eine Mischform daraus umfasst. Gerade die Schmerzneigung und eine generelle deutliche Wahrnehmung der Darmfunktion – als viszerale Hypersensitvität bezeichnet – weisen auf ein Reizdarmsyndrom hin. Kurz, der Darm ist überempfindlich. Der Grund ist unbekannt, wobei es Theorien gibt, nach denen die Nerven des Darms durch eine Infektion dauerhaft sensibilisiert wurden. Tatsächlich weisen viele Patienten erhöhte Entzündungswerte im Darm auf. Bei etwa einem Drittel der Reizdarm-Patienten begannen die Beschwerden nach einem Magen-Darm-Infekt, zum Beispiel nach einer Reise oder durch eine Lebensmittelvergiftung.

Was viele Betroffene nicht wissen: Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose, d.h. erst wenn alle anderen möglichen organischen Ursachen für die Verdauungsbeschwerden ausgeschlossen sind, sollte die Diagnose gestellt werden. Aus Unwissenheit oder Kostengründen werden allerdings nicht alle möglichen Tests durchgeführt und der Patient bekommt vorschnell den Stempel „Reizdarm“ verpasst – und wird über die reine Symptombehandlung hinaus nicht ausreichend therapiert. Der Internist und Chefarzt Dr. Volker Schmiedel (Buch „Alarm im Darm“ von Trias) bezeichnet das Reizdarm-Syndrom als „die häufigste Fehldiagnose in der modernen Medizin“, bei 80 bis 90 Prozent seiner Reizdarm-Patienten liege eine andere, behandelbare Ursache ihrer Beschwerden vor.

Vor einer Diagnose ärztlich abgeklärt werden sollte:

  • Schilddrüsenunter- oder überfunktion
  • Glutenunverträglichkeit/Zöliakie (auch über Gliadin-Antikörper)
  • Kohlenhydratintoleranz (vor allem Fructose und Lactose)
  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn
  • Bauchspeicheldrüsenschwäche
  • Probleme mit der Galle (wie Gallensäureverlustsyndrom)
  • Nahrungsmittelallergien
  • Dünndarmfehlbesiedlung (SIBOS)
  • Dysbiose des Dickdarms

Gerade in den letzten Jahren erhärtet sich immer mehr die Vermutung, dass das Mikrobiom, also die Darmflora, eine entscheidende Rolle bei den meisten Fällen von Reizdarmsyndrom spielt. Dazu passt auch, dass in Untersuchungen mit Patienten eine FODMAP-arme Ernährung von allen Ernährungstherapien den größten Erfolg zeigte. Mehr über das FODMAP-Konzept erfahren Sie hier.

Lesetipps:

  • Alarm im Darm von Dr. med. Volker Schmiedel (Trias)
  • Der große Patientenratgeber Reizdarmsyndrom (mit FODMAP-Diät) von Martin Storr (Zuckschwerdt)

Das FODMAP-Konzept

Bei konkreten Beschwerden wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung empfehlen wir die so genannte FODMAP-Diät. Dieses Konzept ist erst vor wenigen Jahren von australischen Forschern zur Behandlung von Reizdarm-Patienten entwickelt worden, wo es Erfolgsraten von 75 Prozent zeigt – mehr als jede andere Ernährungstherapie.

FODMAP ist die (englische) Abkürzung für „Fermentierbare Oligosaccharide, Disaccharide, Monosaccharide & Polyole“ – auf gut Deutsch eine Zusammenfassung kurzkettiger fermentierbarer Zucker (Saccharide), die vergleichsweise langsam vom Darm absorbiert werden. Durch diese verzögerte Aufnahme gelangen die Zucker in Darmabschnitte, die von Bakterien besiedelt sind. Das kann sogar erwünscht sein, denn schließlich werden so genannte Präbiotika, wie Inulin – auch ein FODMAP – gerade zur Pflege der Darmbakterien empfohlen. Aber bei einer aus dem Gleichgewicht geratenen Darmflora kann diese Nahrungszufuhr schnell zu Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung führen.

Zu den FODMAP-Zuckern zählen Laktose und Fructose, aber auch weniger bekannte Mehrfachzucker wie Fructane, Galactane und Zuckeralkohole (Polyole). Diese Zucker kommen natürlich in vielen Lebensmitteln vor, die eigentlich als besonders gesund gelten, zum Beispiel Milchprodukte, viele Obst- und Gemüsesorten, Getreide und Hülsenfrüchte oder kalorienarme Zuckeraustauschstoffe:
Laktose: die meisten Milchprodukte, aber auch als Zusatz in vielen verarbeiteten Lebensmitteln
Fructose: viele Obstsorten (vor allem Birnen, Äpfel und Trockenobst), einige Gemüsesorten (Spargel, Tomate), Süßungsmittel wie Haushaltszucker, Fructosesirup oder Honig, viele Fertigprodukte, denen diese Süßungsmittel zugesetzt sind
Fructane: Weizen und andere Getreidesorten, Zwiebeln, Knoblauch, Kohlgemüse, Präbiotika wie Inulin oder FOS
Galactane: Hülsenfrüchte, Kohlgemüse, das Präbiotikum GOS
Polyole: Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit oder Xylit („Birkenzucker“), einige Früchte (Steinobst, Brombeere, Birne, Wassermelone) und Gemüsesorten (Avocado, Blumenkohl, Pilze, Süßkartoffel)

Wirklich exakte Listen zu erstellen ist allerdings schwierig: Zum einen sind noch nicht alle Lebensmittel auf ihren FODMAP-Gehalt hin untersucht worden, zum anderen schwankt die Verträglichkeit eines FODMAP-Lebensmittels je nach Reifegrad, Zubereitung oder Menge in einer Mahlzeit. Viele Lebensmittel, die eigentlich FODMAPs enthalten, sind in kleinen Mengen durchaus verträglich.

Bei sowohl Laktose- als auch Fructoseintoleranz – gerade in der Kombination – lohnt es sich, an eine FODMAP-Intoleranz zu denken, vor allem dann, wenn eine laktose- und fructosearme Ernährung nicht zu einer deutlichen Besserung der Symptome führt. Umgekehrt beeinträchtigen FODMAPs wie Fructane oder Sorbit die Aufnahme von Fructose im Dünndarm, was wiederum eine Fructosemalabsorption verstärken kann.

Nicht auf Dauer angelegt

Nicht alle Betroffenen reagieren gleich auf jede FODMAP-Gruppe. Für manche sind beispielsweise Fructose und Zuckeralkohole das Hauptproblem und sie reagieren schon auf kleinste Mengen, bei anderen sind es die Galactane, von denen sie aber schon eine größere Menge essen müssen, um Beschwerden zu bekommen. So individuell die Unverträglichkeiten auch sind, es macht Sinn, am Anfang konsequent auf alle FODMAPs zu verzichten, um dann nach Ende der Karenzzeit gezielt zu testen, was tatsächlich Probleme macht und was womöglich nicht. Denn eine sehr strenge FODMAP-Ernährung sollte nicht dauerhaft angewandt werden, da so zwar den Darmbakterien, die die Beschwerden verursachen, die Nahrungsgrundlage entzogen wird, aber auf Dauer auch freundliche Bakterien ausgehungert werden. Eine solche Diät ist primär eine Symptombehandlung. Die FODMAP-Zucker sind nicht die Verursacher der Verdauungsstörung, sie machen sie nur deutlich. Die eigentliche Ursache sollte medizinisch therapiert werden, zum Beispiel mit einer Darmsanierung. Da das FODMAP-Konzept im deutschsprachigen Raum leider noch weit weniger bekannt und verbreitet ist als in der englischsprachigen Welt, gibt es hierzulande noch vergleichbar wenige Mediziner und Ernährungsberater, die sich mit dem Thema gut auskennen. Glücklicherweise ändert sich das zunehmend.

Lesetipps und Ratgeber:

Fructoseintoleranz

Was ist Fructoseintoleranz?

Fructose ist ein Einfachzucker, der natürlich in vielen Obst- und einigen Gemüsesorten, aber auch als oft versteckter Zusatz in vielen verarbeiteten Lebensmitteln vorkommt. Haushaltszucker besteht zur Hälfte aus Fructose.

Fructose, oder Fruchtzucker, klingt nach Früchten und damit als natürlich und gesund – das ist allerdings ein Trugschluss. Schon bei gesunden Menschen kann ein übermäßiger Fructosekonsum den Körper belasten. So wird Fructose inzwischen mit einer Reihe systemischer Gesundheitsprobleme in Verbindung gebracht, zu denen eine erhöhte Belastung der Leber, ein gestörter Abbau von Blutzucker, ein verringertes natürliches Sättigungsgefühl sowie Stoffwechselveränderungen zählen, welche zu Übergewicht führen können.

Im Darm wird Fructose im Gegensatz zu Glucose (Traubenzucker) nicht direkt von der Schleimhaut aufgenommen, sondern nur über spezielle GLUT-5 genannte Transportproteine. Vor allem, wenn die Transportproteine im Vergleich zur konsumierten Menge Fructose nicht ausreichend vorhanden sind, kann Fructose nicht oder nur vermindert im Dünndarm absorbiert werden und gelangt schneller in Bereiche des Darms, die von Bakterien besiedelt sind. Dies nennt sich dann Fructosemalabsorption. Diese Bakterien vergären den Zucker zu Gasen und Säuren, was bei entsprechender Zusammensetzung der Darmflora zu unangenehmen Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Gurgelgeräuschen, Bauchschmerzen, Durchfall oder Verstopfung führt. Kommt es nach dem Konsum üblicher Mengen Fructose (bis 20-25g) zu solchen Symptomen, liegt eine Fructoseintoleranz vor.

Eine verminderte Funktion der Transportproteine der Dünndarmwand ist entweder angeboren oder durch eine Schädigung der Schleimhaut verursacht worden. Diese Schädigung kann Folge einer chronischen Krankheit wie Zöliakie oder Morbus Crohn, einer akuten Infektion oder einer Medikamenteneinnahme sein. Die Ursache sollte medizinisch abgeklärt und behandelt werden, vor allem im Fall starker Symptome. Denn auch Nährstoffmängel oder unspezifische Symptome, wie Antriebslosigkeit, Schwäche, Konzentrationsstörungen und depressive Verstimmungen, wurden schon mit Fructosemalabsorption in Verbindung gebracht.

Neben der Fructosemalabsorption, bei der die Kapazität zur Fructoseverdauung von vornherein vermindert ist, kann eine Fructoseintoleranz auch Folge einer Dünndarmfehlbesiedlung oder einer Mischform aus beidem sein. Bei der sehr seltenen hereditären Fructoseintoleranz muss lebenslang auf Fructose verzichtet werden.

Worin steckt Fructose?

Dass die Diagnose Fructoseintoleranz in den letzten Jahren so sehr an Bedeutung gewonnen hat, liegt nach Einschätzung von Experten auch daran, dass der allgemeine Konsum von Fructose stark angestiegen ist. So nehmen wir heute weit mehr Obst zu uns als noch unsere Eltern und Großeltern, die sich oft auf das beschränken mussten, was zur jeweiligen Saison gerade regional angeboten wurde. Zum anderen wird Fructose aber auch vielen industriell hergestellten Lebensmitteln als günstiges und potentes Süßungsmittel zugesetzt. Gerade Fructose-Glucose-Sirup (oft als Maissirup bezeichnet) wird viel und häufig verwendet, zum Beispiel in Softdrinks oder als Zusatz in Marinaden, Soßen oder Ketchup. Aber auch natürliche Süßungsalternativen, wie Honig oder Agavensirup, enthalten viel Fructose.

Und da das noch nicht genug ist, sollten Betroffene auch vorsichtig bei Süßwaren sein, die als „zuckerfrei“ gelten. Da Fructose im Darm vergleichsweise langsam aufgenommen wird und daher auch den Blutzuckerspiegel langsamer ansteigen lässt, wird es gerne in „Diät“-Lebensmitteln verwendet. Ein beliebter Zuckeraustauschstoff ist auch Sorbit(ol) (E 420), zum Beispiel in Kaugummis, der allerdings die Aufnahme von Fructose im Darm hemmt. Bestimmte Nahrungsmittel, wie Birnen oder Pflaumen, enthalten von Natur aus sowohl Fructose als auch Sorbitol und sollten also doppelt gemieden werden (aus diesem Grund werden Trockenpflaumen übrigens auch als Abführmittel eingesetzt).

Lesetipps und Ratgeber:

Laktoseintoleranz

Was ist Laktoseintoleranz?

Laktose ist ein natürlich in Milch und Milchprodukten vorkommender Zucker. Daher auch die Bezeichnung Milchzucker. Laktose besteht aus den Einfachzuckern Glucose und Galactose und muss durch das Enzym Lactase in diese aufgespalten werden, um vom Darm aufgenommen werden zu können. Dies geschieht durch das Enzym Lactase, das normalerweise in den Zotten der Darmschleimhaut gebildet wird. Wenn dieses Enzym fehlt oder nicht in ausreichender Menge vorhanden ist, kann die Laktose nicht absorbiert werden. Dies nennt sich dann Laktosemalabsorption.
Gelangt Laktose unverdaut in Darmabschnitte, die von Bakterien besiedelt sind – in der Regel der Dickdarm – verwandeln diese Bakterien die Laktose in Gase und Säuren, die wiederum schnell zu Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Bauchgeräuschen, Völlegefühl, Durchfall oder Übelkeit führen können. Erst beim Auftreten von unangenehmen Symptomen spricht man von einer Laktoseintoleranz.

Es kann unterschiedliche Gründe haben, weshalb nicht (mehr) genug Lactase produziert wird. Zum einen ist es nicht selbstverständlich, auch im Erwachsenenalter noch Milch verdauen zu können. Selbst in Deutschland hat jede fünfte bis zehnte Person Schwierigkeiten mit Laktose. Das liegt zum Teil auch daran, dass die Produktion von Lactase von Natur aus mit dem Alter abnimmt, so dass man nach und nach immer weniger Laktose verträgt und seinen Milchkonsum entsprechend anpassen sollte. Auch nach einem längeren Verzicht auf Milchprodukte ist es möglich, dass die Produktion von Lactase eingeschränkt ist.
Auffallend wird es spätestens dann, wenn man immer Milch vertragen hat und relativ plötzlich mit Beschwerden schon auf kleine Mengen reagiert. Dies kann auch die Folge einer Schädigung der Darmschleimhaut sein, zum Beispiel nach einem Magen-Darm-Infekt oder durch eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, wie Zöliakie oder Morbus Crohn. Oft gibt sich diese Irritation nach einiger Zeit wieder; wenn nicht, sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Falls eine Laktoseintoleranz nicht die Folge einer Laktosemalabsorption ist, bei der nicht genug Lactase im Dünndarm gebildet wird, kann die Ursache auch eine Dünndarmfehlbesiedlung oder eine Mischform aus beidem sein.

Worin steckt Laktose?

Laktose ist von Natur aus in der Milch von Säugetieren enthalten und in den Produkten, die aus dieser Milch hergestellt werden. Dabei schwankt der Gehalt an Laktose stark je nach Art der Herstellung. So hat ein lang gereifter Hartkäse einen von Natur aus sehr viel geringeren Laktosegehalt als Frischkäse.
Etwas komplizierter wird es bei verarbeiteten, industriell hergestellten Lebensmitteln. Denn wer würde vermuten, dass Konserven, Wurst oder Brot, um nur einige Beispiele zu nennen, sehr oft versteckt Laktose zugesetzt ist? Oft auch unter unklaren Bezeichnungen wie Süßmolkenpulver. Das Gleiche gilt auch für das Essen außer Haus, oder können Sie genau sagen, ob Ihr Omelett, die Soße auf der Pasta oder der Obstkuchen nicht mit etwas Milch oder Sahne verfeinert worden sind? Da hilft nur das gründliche Studieren der Inhaltsangaben – am besten kochen Sie selbst mit frischen, unverarbeiteten Zutaten wie Gemüse oder unverarbeitetem Fleisch, die garantiert keine Laktose enthalten.

Aber auch mit einer Laktoseintoleranz müssen Sie nicht auf Milchprodukte oder Lebensmittel, die normalerweise Laktose enthalten, verzichten, denn in vielen Supermärkten, Reformhäusern oder Bioläden gibt es inzwischen ausgewiesene laktosefreie Produkte, wie z.B. von MinusL. Auch bieten schon viele Cafés laktosefreie Milch für den Kaffee an, wenn Sie danach fragen. Für Ausnahmefälle, wie Familienfeiern, können Sie auch auf freiverkäufliche Lactase in Tablettenform zurückgreifen. Wir empfehlen allerdings, dies nicht zur Gewohnheit werden zu lassen.

Reagieren Sie auch auf völlig laktosefreie Milchprodukte mit Symptomen, liegt möglicherweise eine Unverträglichkeit auf das Milchprotein Casein vor. Dies sollten Sie medizinisch abklären lassen.

Tipp: Wenn Sie ganz auf Milchprodukte verzichten, empfiehlt es sich übrigens, auf den Kalziumgehalt Ihres Mineralwassers zu achten, um auf eine ausreichende Zufuhr dieses wichtigen Minerals zu kommen.

Lesetipp und Ratgeber:

MÖGLICHE URSACHEN VON FRUCTOSE- UND LAKTOSEINTOLERANZ

Intoleranzen auf Fructose oder Laktose können verschiedene Ursachen haben: Eine klassische Malabsorption, eine Dünndarmfehlbesiedlung (SIBOS) oder eine Mischform aus beidem.

MALABSORPTION

Fructose und Laktose sind Zucker, die nicht direkt vom Dünndarm aufgenommen werden können. Im Fall von Fructose wird dazu ein bestimmtes Transportprotein benötigt, während der Zweifachzucker Laktose erst durch das Enzym Lactase aufgespalten werden muss.

Fehlen nun ausreichende Mengen dieses Proteins bzw. von Lactase, kommt es zu einer Malabsorption — die betreffenden Zucker können nicht von der Darmwand absorbiert werden.
Gelangt Fructose oder Laktose unverdaut in den Dickdarm und trifft dort auf eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora, kann es zu Beschwerden wie Blähungen, Schmerzen und Durchfall kommen.

Im Gegensatz zu den anderen Formen von Fructose- oder Laktoseintoleranz ist bei einer Malabsorption eine Besserung am schwierigsten vorherzusagen und kann am längsten auf sich warten lassen, wenn sie denn überhaupt eintritt.

Wichtiger Teil der Therapie ist der weitgehende Verzicht auf Fructose oder Laktose. Ist die Malabsorption Folge einer Schädigung der Dünndarmschleimhaut, können Sie nach Ende der Umstellung und Abklingen der Symptome versuchen, wieder kleinere Mengen Fructose oder Laktose zu sich zu nehmen. Aber das sollte möglichst vorsichtig geschehen, damit die Dünndarmwand die benötigte Transportproteine oder Enzyme wieder bilden kann und Sie genau merken, welche Mengen Sie tatsächlich vertragen. Beginnen Sie am besten mit einer kleinen Menge fructosearmer Früchte wie Beeren, oder laktosearmer Milchprodukte, wie Joghurt oder gereiftem Käse.

DÜNNDARMFEHLBESIEDLUNG (SIBOS)

Dünndarmfehlbesiedlung (oder kurz SIBOS wie englisch Small Intestinal Bacterial Overgrowth Syndrome) ist eine seit einigen Jahren immer bekannter werdende Diagnose, bei der sich im Dünndarm Darmbakterien befinden, die eigentlich von Natur aus nur im Dickdarm vorkommen sollten. Der Dünndarm ist im gesunden Zustand vergleichsweise steril, so dass die aufgenommene Nahrung mit der Hilfe von Verdauungssäften und Enzymen verdaut werden kann. Bei einer Fehlbesiedlung des Dünndarms wird diese Nahrung, vor allem Zucker und Kohlenhydrate, von den Bakterien zu Gasen und Abbauprodukten verstoffwechselt, bevor der Darm eine Chance hat, sie aufzunehmen.
Das führt nicht nur zu möglichen starken Nährstoffmängeln, sondern auch zu folgenden möglichen Beschwerden:

  • Aufgeblähter Bauch – tendenziell abends stärker als morgens
  • Aufstoßen
  • Völlegefühl
  • Bauchschmerzen
  • Darmgeräuschen
  • Durchfall, Verstopfung oder eine Mischform

Diagnostiziert wird SIBOS anhand eines Atemtests, der die im Dünndarm produzierten Gase in der Atemluft misst, oder einen Urintest auf organische Säuren. Ein Stuhltest kann eine Fehlbesiedlung des Dünndarms nicht nachweisen.

Als mögliche Ursachen gelten entzündliche Darmerkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn, Magen-Darm-Infekte und Lebensmittelvergiftungen, Diabetes, Darmoperationen, häufige Antibiotika-Behandlungen, eine Motilitätsstörung des Darms oder ein Mangel an Magensäure oder Verdauungsenzymen.

Es ist sehr wichtig, die Ursache der Dünndarmfehlbesiedlung ärztlich abklären zu lassen und zu behandeln, da sie sonst immer wieder auftreten kann. Es lohnt sich, nach einem Arzt zu suchen, der sich gut mit diesem Thema auskennt. Die Fehlbesiedlung selbst wird in der Regel mit Antibiotika therapiert. Gegebenenfalls müssen verschiedene Präparate ausprobiert oder kombiniert werden. Ein entscheidender Faktor für den Erfolg der Behandlung ist eine anschließende zucker- oder kohlenhydratarme Ernährung, um eine direkte Rückkehr der Fehlbesiedlung zu verhindern. Noch nicht geklärt ist, ob Probiotika bei SIBOS hilfreich sind, oder die Fehlbesiedlung sogar noch verstärken. Grundsätzlich wird empfohlen, sich auf Lactobazillen zu beschränken, während man mit Bifidobakterien als reinen Dickdarmbakterien eher vorsichtig sein sollte.

SIBOS gilt übrigens als Ausschlussdiagnose für ein Reizdarm-Syndrom. Das heißt, hat man eine Dünndarmfehlbesiedlung, kann man offiziell kein Reizdarm-Syndrom haben. Doch da SIBOS noch nicht überall bekannt ist und daher nur selten darauf getestet wird, steht im Raum, ob nicht ein Großteil der Fälle, die als Reizdarmsyndrom diagnostiziert worden sind, eigentlich an Dünndarmfehlbesiedlung leiden. Auffallend ist, dass beide Krankheiten fast identische Symptome haben können. Gerade wenn Sie Reizdarm-Patient sind, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt auf das Thema SIBOS ansprechen.

MISCHFORM AUS MALABSORPTION UND DÜNNDARMFEHLBESIEDLUNG

Bei der Kombination aus einer Dünndarmfehlbesiedlung (SIBOS) und einer Malabsorption reagiert man doppelt auf Fructose oder Laktose: Zum einen durch die Fehlbesiedlung im Dünndarm, die Kohlenhydrate aus der Nahrung verstoffwechselt, bevor der Darm eine Chance hat sie aufzunehmen. Gelangt dann noch unverdauter Zucker in den Dickdarm und trifft dort auf eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora, kommt es nicht nur im Dünndarm, sondern zusätzlich auch noch im Dickdarm zu Beschwerden.

Die Ursache einer solchen Mischform ist nicht leicht zu finden: Eine unbehandelte Malabsorption kann auf Dauer zu SIBOS führen, indem durch ständige Blähungen im Dickdarm die Klappe zwischen den beiden Darmabschnitten undicht wird und so Bakterien aus dem Dick- in den Dünndarm wandern können. Eine Malabsorption kann aber wiederum durch eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut verursacht worden sein, die möglicherweise Folge einer Dünndarmfehlbesiedlung ist.

Für die Therapie bedeutet das, dass man, neben dem Verzicht auf Fructose oder Laktose, zunächst die Dünndarmfehlbesiedlung wie weiter oben beschrieben behandeln lassen sollte. Erst nach Heilung der Dünndarmschleimhaut kann sich zeigen, ob sich dann auch die Malabsorption wieder zurückbildet.